Nachgefragt: Was bedeutet der Wegfall der Psittakose-Verordnung für den Vogelhalter?

 

In der letzten Gefiederten Welt-Ausgabe haben wir Sie darüber informiert, dass das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) noch in diesem Jahr die Psittakose- Verordnung aufheben will. Bei vielen Vogelhaltern hat das zu Fragen und Irritationen geführt. Wir haben deshalb bei Prof. Dr. Hans-Joachim Bätza im BMELV nachgefragt:

 

Frage: Die Psittakose-Verordnung besteht in Deutschland seit 1991. Nachdem die Diskussionen um die Zoonosen weltweit gerade auch in letzter Zeit immer wieder aktuell geführt werden, kommt die Aufhebung der Psittakose- Verordnung in Deutschland doch überraschend. Was waren die Gründe, dass das BMELV jetzt diese Verordnung aufheben will?

 

Prof. Dr. Bätza: Die Diskussion um die Aufhebung der Psittakose-Verordnung ist vor dem Hintergrund von im Durchschnitt der letzten 10 Jahre jährlich 145 angezeigten Psittakosefällen nicht neu. Wesentlich für die Aufhebung der Verordnung ist, dass Deutschland der einzige Mitgliedstaat in der EU ist, in dem die Psittakose staatlich bekämpft wird. Zudem darf nicht unberücksichtigt bleiben, dass die Ornithose, die von dem gleichen Erreger hervorgerufen wird wie die Psittakose, nicht staatlich bekämpft wird, obschon auch Vogelarten, insbesondere Finken, in Privathaushalten gehalten werden oder aber auch mit ihnen gezüchtet wird, die sich mit C. psittaci infizieren und somit auch als Reservoir für menschliche Erkrankungen anzusehen sind. Die Meldepflicht sowohl für Psittakose als auch für Ornithose soll gleichwohl beibehalten werden, um auch weiterhin einen Überblick über Vorkommen und Verbreitung zu erhalten.

 

Frage: Wie wir wissen, hat sich das Bundesministerium für einen Einheitsring starkgemacht, der die Bereiche Artenschutz, Wildschutz und Psittakose umfasst. Warum ist es nicht zu diesem Einheitsring gekommen?

 

Prof. Dr. Bätza: Für die in der Frage genannten Rechtsbereiche (Artenschutz einerseits und Wildschutz und Tierseuchenschutz andererseits) werden Ringe mit unterschiedlicher Beschriftung ausgegeben. Ziel des Bundesministeriums war es, dass für alle drei Rechtsbereiche ein Ring mit einer einheitlichen Beschriftung („Einheitsring“) ausgegeben wird. Leider waren die Auffassungen zwischen dem Artenschutz und dem Wildschutz/ Tierseuchenschutz nicht kompatibel.

 

Frage: Bisher musste der Psittaciden- Halter eine Zucht- und Haltegenehmigung nach Paragraf 17g Tierseuchengesetz beantragen, einen Quarantäneraum nachweisen sowie eine Buchführungspflicht vornehmen. Was muss der Psittaciden-Halter nach Aufhebung der Psittakose-Verordnung zukünftig noch an Rechtsvorschriften beachten? Und wenn eine weitere Kennzeichnung von Sittichen und Papageien mit Vogelringen oder Transpondern nicht mehr erforderlich ist, was empfehlen Sie den Haltern und Züchtern in Hinblick auf Zoonosen-Erreger zu tun?

 

Prof. Dr. Bätza: Tierseuchenrechtlich unterliegen die Psittacidenzüchter zukünftig keinen Regelungen mehr, denn mit einer anstehenden Novellierung des Tierseuchengesetzes wird auch § 17g aufgehoben werden. Gleichwohl sei aber auch zukünftig jedem Züchter angeraten, entsprechende Räumlichkeiten vorzuhalten sowie seine Tiere zu kennzeichnen* und entsprechend Buch zu führen, um eine Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten.

 

Frage: Was passiert, wenn nach der Aufhebung der Psittakose-Verordnung bei einem Vogelhalter ein Psittakose-/Ornithose- Fall ausbricht? Wie hat sich der Vogelhalter zu verhalten?

 

Prof. Dr. Bätza: Grundsätzlich gilt, dass jeder Tierhalter vor dem Hintergrund der Fürsorgepflicht, die er für die von ihm gehaltenen Tiere hat, im Krankheitsfalle (unabhängig davon, um welche Krankheit es sich handelt), die Ursache durch tierärztlichen Rat abklären sollte. Das gilt natürlich auch für Psittacidenhalter. Der Tierarzt wird dann entscheiden, was weiter zu tun ist. Um ggf. eine Infektion des Psittacidenhalters mit C. psittaci auszuschließen, sollte – wie bisher übrigens auch schon – ärztlicher Rat eingeholt werden.

 

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Bätza, wir danken Ihnen für das Gespräch.

 

*Anmerkung der Redaktion Die Aufhebung der Psittakose-Verordnung sowie § 17g Tierseuchenrecht gilt für alle Sittiche und Papageien. Sobald das Gesetz und die Verordnung aufgehoben sind, benötigen die Sittich- und Papageienhalter keine Zucht- und Haltegenehmigungen mehr. Eine Kennzeichnungs- und Buchführungspflicht nach der Psittakose-Verordnung gibt es ebenfalls nicht mehr. Sittiche und Papageien, die in der Anlage 6 der Bundesartenschutz-Verordnung aufgeführt sind, müssen weiterhin mit einem geschlossenen Vogelring nach der Bundesartenschutz-Verordnung gekennzeichnet werden. Alle anderen Sittich und Papageienarten unterliegen keiner gesetzlichen Kennzeichnung mehr. Empfehlenswert allerdings wäre, wie Prof. Dr. Bätza sagt, ein Nachweisbuch weiterhin zu führen, sowie eine freiwillige Kennzeichnung mit Vogelringen. Dies dürfen aber keine Artenschutzringe sein.

 


 

Gelesen in der Gefiederten Welt.